Seitenstechen: Ursache & Behandlung

So ziemlich jeder Mensch kennt es von sich selbst oder hat es zumindest schon beobachtet: ein Ausdauersportler, meist ein Läufer, seltener ein Schwimmer oder Radfahrer, fasst sich plötzlich vor Schmerzen an die Seite und stoppt direkt die sportliche Betätigung. Die stechenden Schmerzen verschwinden meist ebenso rasch wieder, wie sie aufgetreten sind.

Symptome von Seitenstechen

Das Hauptsymptom von Seitenstechen sind krampfartige Schmerzen (an und abschwellend) unterhalb der untersten Rippe. Die Schmerzen können von leicht bis stark variieren. Die rechte Körperhälfte ist tendenziell häufiger betroffen, als die linke Körperhälfte.

Seitenstechen – was sind die Ursachen für den Schmerz?

Leider ist sich die Wissenschaft auch heute, trotz aller wissenschaftlichen Errungenschaften, noch nicht zu 100 % sicher, welche Ursachen das schmerzhafte und überraschend auftretende Seitenstechen hat. In diesem Artikel beleuchten wir einige mögliche Theorien zum Thema Seitenstechen und zeigen auf, wie man das schmerzhafte Ziehen in der Seite schnellstmöglich loswird.

Theorie 1 zum Seitenstechen: die Blutversorgung von Leber und Milz

Die gängigste Theorie zum Thema Seitenstechen hängt mit der Blutversorgung der Leber und der Milz zusammen. Bekanntermaßen steigt bei sportlicher Betätigung und anderen körperlichen Belastungen die Durchblutung des Körpers enorm, denn unser Körper benötigt viel Sauerstoff für die anstrengende Funktion der Muskeln.

Dadurch nimmt gleichzeitig jedoch die Blutversorgung von Leber und Milz ab. Nun ist es so, dass beide Organe von einem Stützgewebe gehalten wird, welches auch unser Zwerchfell, also den Muskelapparat, der bei Anstrengung zum Großteil für unsere Atmung zuständig ist, an seinem Platz halten.

Aufgrund der geringen Durchblutung ziehen sich die Leber und die Milz zusammen. Die Vermutung ist nun, dass das Stützgewebe im Körper die Organe nicht richtig halten kann und diese dadurch etwas nach unten sacken.

Der hierdurch entstehende Zug des Stützgewebes am Zwerchfell (man muss sich das wie ein Geflecht aus sehr feinen Bändern vorstellen) soll nach der Meinung vieler Wissenschaftler und Ärzte nun das Seitenstechen verursachen. Gleichzeitig würden beim Laufen kleine, ruckartige Erschütterungen der Organe dieses Problem verstärken.

Ein Hinweis auf die Richtigkeit der Annahme, die Organe ziehen am Zwerchfell, ist zumindest die Tatsache, dass Seitenstiche häufiger auf der rechten Körperhälfte als auf der linken Seite auftreten. Die Leber wiegt beim erwachsenen Menschen zwischen ca. 1,2 und 1,5 kg und gehört damit zu den schwersten Organen im menschlichen Körper. Die Leber liegt rechts im Körper und würde entsprechend dieser Theorie dann aufgrund ihres Gewichtes sehr stark am Zwerchfell ziehen.

Andere Wissenschaftler sagen, dass es nicht der Zug am Zwerchfell ist, der die Schmerzen auslöst, sondern schlicht und einfach die Verformung von Leber und Milz aufgrund mangelnder Durchblutung.

Theorie 2 zu Seitenstichen: Laufen nach einem ausgiebigen Essen

Eine weitere Theorie führt schlicht eine Mahlzeit vor der sportlichen Betätigung als Ursache an. Nach einer Mahlzeit wird der Verdauungstrakt verstärkt mit Blut versorgt, damit die Verdauung einwandfrei ablaufen kann.

Bei jedem Sport steigen naturgemäß der Blutdruck und die Pulsfrequenz. Wird nun zu früh nach dem Essen, also wenn die Verdauung noch in vollem Gange ist, Sport getrieben, so steigt im Verdauungstrakt die Blutmenge schlagartig an, da der Körper noch auf Verdauung „programmiert“ ist.

Diese Blutmenge, die nicht schnell genug vom Körper abtransportiert werden kann, soll nach dieser Theorie das Seitenstechen verursachen.

Theorie 3: schlechte Durchblutung des Zwerchfells

Eine mittlerweile eher selten vertretene Theorie besagt, dass beim Sport die Muskeln aufgrund ihrer anstrengenden Arbeit vorrangig mit Blut versorgt werden. Aufgrund dessen, so wird vermutet, soll das Zwerchfell nicht ausreichend mit Blut versorgt werden.

Diese Theorie erscheint eher unwahrscheinlich, da ja auch das Zwerchfell als Atem-Muskel beim Sport gefordert wird. Aktuell gibt es daher keinen Grund, zu vermuten, dass der Körper ausgerechnet diesen Muskel bei Betätigung gezielt unterversorgt.

Theorie 4: Reizung des Bauchfells

Bei dieser Theorie handelt es sich um eine neuere These. Das Bauchfell, welches unsere Organe schützend im Bauchraum umhüllt, besteht aus zwei Schichten mit einer Art „Schmierflüssigkeit“ dazwischen. Diese Schmiere sorgt dafür, dass sich diese beiden Hälften des Bauchfells zueinander bewegen können.

Nun wird angenommen, dass eine Art Nervenreizung für das Seitenstechen verantwortlich ist. Die Schmierung zwischen den beiden Schichten des Bauchfells ist verringert, zum Beispiel aufgrund von einer größeren Mahlzeit vor dem Sport. Man nimmt an, dass bei einer größeren Mahlzeit oder einer größeren Flüssigkeitsaufnahme weniger dieser Schmierflüssigkeit produziert wird.

Theorie 5: Nervenreizungen in den Zwischenrippen

Weitere Wissenschaftler sind der Meinung, dass Nervenreizungen schuld an den heftigen Schmerzen im seitlichen Bauchbereich sind.

Recht neu ist hier eine Studie von australischen Forschern. Diese haben festgestellt, dass eine krumme Haltung ein Auftreten von Seitenstichen begünstigt. Die Interkostalnerven, die zwischen den Rippen liegen, werden beim Laufen durch die Atmung und Bewegung gereizt. Eine krumme, leicht nach vorne gebeugte Haltung scheint auch tatsächlich die Entstehung von Seitenstichen zu begünstigen.

Theorie 6: Gasansammlungen im Darm

Eine weitere beliebte Theorie besagt, dass Gasansammlungen im Darm sich beim Laufen in den äußeren Ecken des Darms ansammeln und dort Schmerzen. Da der gesunde Mensch täglich bis zu 3 Liter Gas im Darm bildet, könnte sich theoretisch durch die Erschütterungen beim Laufen eine Blase in den äußeren Ecken des Dickdarms bilden. Belege gibt es aber auch für diese Annahme keine.

Weitere Ursachen

Ergänzend zu den vorgenannten Ursachen ist erwiesen, dass es verschiedene Faktoren gibt, die eine Entstehung von Seitenstechen begünstigen. Diese sind unter anderem:

  • Übergewicht – wer unter Adipositas leidet, bekommt häufiger Seitenstechen. Auch hier sind die Gründe nicht endgültig geklärt, so kann z.B. das viszerale Bauchfett eine Rolle spielen.
  • Anaerobes Training – wer zu heftig trainiert, der kann unter Umständen in den anaeroben Bereich abrutschen. Das bedeutet, dass die Sauerstoffversorgung der Muskeln und des Zwerchfells nicht mehr ausreichend ist.
  • Falsche Atemtechnik – wer eine falsche Atemtechnik verwendet, der ist stärker gefährdet, Seitenstiche zu bekommen. Dies mag vermutlich mit der schlechten Sauerstoffversorgung zusammenhängen.
  • Mangelndes Aufwärmen – wer sich nicht ausreichend aufwärmt, läuft ebenfalls Gefahr, schnell Seitenstiche zu bekommen. In welchem Zusammenhang dies genau mit Seitenstechen steht, wird noch untersucht.
  • Schwache Bauchmuskulatur – eine schwache Bauchmuskulatur begünstig erwiesenermaßen Seitenstiche.
  • Essen vor dem Sport – wer kurz vor der körperlichen Ausdauerbelastung noch eine Mahlzeit zu sich nimmt, der leidet häufiger unter Seitenstechen. Nicht umsonst gibt es die Regel, 1 Stunde vor dem Sport nichts größeres mehr zu essen.

Die Behandlung von Seitenstechen

Was tun gegen Seitenstechen? Grundsätzlich bedarf es bei Seitenstechen keiner richtigen Behandlung. Das stoppen der körperlichen Belastung, verbunden mit einem tiefen Ein- und Ausatmen über die Bauchmuskulatur lässt die Seitenstiche meist binnen weniger Sekunden schwächer werden und spätestens nach wenigen Minuten sollten sie vollständig verschwunden sein. Ein Massieren der betroffenen Stelle mit der Handfläche bei leichtem bis mäßigen Druck kann das Abmindern der Seitenstiche beschleunigen.

Lediglich wenn die Schmerzen im Bauchbereich länger anhalten oder regelmäßig auch bei geringer Belastung auftreten, sollten Sie einen Arzt konsultieren und andere mögliche Erkrankungen oder Veränderungen abklären lassen. In seltenen Fällen zeigt das Seitenstechen eine andere Krankheit an. Es könnten zum Beispiel Probleme mit der Leber, der Milz, oder dem Magen geben, die bisher nicht erkannt wurden.

Gleiches gilt, wenn die Schmerzen nicht im seitlichen Bauchbereich auftreten, sondern die Lunge, die Rippen, der Unterleib oder der gesamte Bauch schmerzt.

Seitenstechen vorbeugen – so verhindern Sie den Schmerz

Es gibt einige Tipps und Tricks, um das plötzliche Auftreten von Seitenstechen so weit wie möglich zu vermeiden.

Da das Seitenstechen in den allermeisten Fällen beim Sport auftritt, gilt es, 1-2 Stunden vor dem Sport fast nichts mehr zu essen. Eine leichte Mahlzeit, z.B. eine Banane oder eine andere Frucht, sowie auch Getränke wie Wasser, sind erlaubt. Wichtig: Kohlensäurehaltige Getränke sollten vermieden werden, denn auch diese begünstigen Seitenstechen.

Je geübter der Sportler ist, umso seltener tritt in der Regel ein Seitenstechen auf. Trainieren Sie also regelmäßig, fangen Sie mit einer moderaten Trainingseinheit an und steigern Sie sich nur langsam. Ausdauersport sollten Sie in der Form betreiben, dass Sie sich noch gut beim Training unterhalten könnten und nicht außer Atem kommen. „Unterhaltung“ ist allerdings nicht wörtlich zu nehmen, denn sprechen beim Sport kann, vermutlich aufgrund der falschen Atmung, ebenfalls Seitenstiche begünstigen.

Die Körperhaltung ist ebenfalls ein entscheidender Punkt. Laufen Sie aufrecht. Belesen Sie sich am besten, wie ein ordentlicher Laufstil aussieht. Wer eine gesunde Körperhaltung einnimmt, leidet wesentlich seltener unter den unangenehmen Seitenstichen.

Fazit um Thema Seitenstiche

Bei Seitenstechen handelt es sich meist um eine harmlose aber schmerzhafte Erscheinung bei sportlicher Betätigung, die vor allem Untrainierte häufig trifft. In der Regel tritt Seitenstechen bei Ausdauersportarten auf, wobei der Läufer mit Abstand am häufigsten von Seitenstichen betroffen ist. Schwimmen und Radfahren spielen eine eher untergeordnete Rolle.

Bei Seitenstechen muss man sich in der Regel keine Sorgen machen, die Symptome verschwinden binnen sehr kurzer Zeit von alleine, wenn man die Belastung reduziert. Nur bei länger andauernden Schmerzen, Seitenstechen ohne Sport oder regelmäßig, auch bei kleinsten Belastungen auftretenden Seitenstichen, sollte ein Arzt abklären, ob andere Krankheiten ursächlich sind.

1 Kommentar zu “Seitenstechen: Ursache & Behandlung”

  1. Was ist zu tun, wenn sich pure Lauflust durch einschleichende „Messerstiche“ binnen Minuten in reinste Qual verwandelt? Entscheidend ist es, die Atmung zu beruhigen. Folgende Maßnahmen sind zu treffen:
    1. Belastung unbedingt herunterfahren, das heißt das Lauftempo verringern, gehen oder stehen bleiben.
    2. Körper mit über Kopf gehaltenen Armen zur gegenseitigen Flanke strecken (Entkrampfung).
    3. Nicht reden.
    4. Belastung erst wieder forcieren, wenn sich die Atmung völlig beruhigt hat und Schmerzen komplett abgeklungen sind.

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